"Dös is leiwand"

Vier singende Schauspieler – alle aus Österreich, seit Jahren in Ingolstadt ansässig und heimisch sowie Publikumspreisträger des Stadttheaters Ingolstadt – haben sich selbst nicht nur ein musikalisches Trostpflaster gegen mutmaßliche Heimwehattacken verordnet, sondern nehmen das Publikum gut gelaunt mit auf eine Erinnerungsreise. Einmal Austropop hin und zurück.

Austria 4+, das sind Aurel Bereuter, Stefan Leonhardsberger, Richard Putzinger und Peter Reisser. Der Augsburger Musiker Martin Schmid ist als Pluspunkt mit im Bunde. Fünf Musiker, die Hits von Rainhard Fendrich, Georg Danzer, STS, Hubert von Goisern, Wolfgang Ambros und Ostbahnkurti – neu und frech für Gitarren und Bass, Percussion und Akkordeon arrangiert – präsentieren. Das ist richtig „leiwand“, erweitert dank der freundlichen Nachhilfe von der Bühne die Österreich-Sprachkenntnisse des Publikums, ist manchmal traurig und berührend. Etwa dann, wenn das Quintett „Tränen da oben“ nach dem Ohrwurm von Eric Clapton „Tears in Heaven“ einem kürzlich erst tödlich verunglückten gemeinsamen Freund widmet. Peter Reisser beweist nicht nur hier poetische Qualitäten.

Schade nur, dass die vier musikalischen Sprachkünstler bei der Premiere mit konkreten Liedangaben geizen, auch wenn ein heiteres Austropop-Quiz sicher seinen Reiz hat. Dem vergnüglichen wie leicht-melancholischen Abend tut das jedoch keinen Abbruch.

Katrin Fehr - Donaukurier am 16.11.2011

 

 

Eine 1+ für „Austria 4+“

20 Minuten nach Beginn des Liederabends stellte Aurel Bereuter, einer der Akteure auf der kleinen Bühne des Altstadttheaters, an die Zuschauer gewandt bereits fest: „Schee is heit bei Eich!“ Und das beruhte voll auf Gegenseitigkeit:

Denn was der Rotary-Publikumspreisträger des Jahres 2007 zusammen mit seinen – ebenfalls damit schon dekorierten – Ingolstädter Schauspielerkollegen Peter Reisser, Richard Putzinger und Stefan Leonhardsberger dort unter dem Namen „Austria 4+“ zwei Stunden lang bot, war schön entspannte Unterhaltung mit gelegentlich auch nachdenklich machendem Tiefgang!

Diese „Senior-Boygroup“, deren vier Mitglieder allesamt aus dem Nachbarland Bayerns stammen (Reisser aus Wien, Putzinger aus Kärnten, Leonhardsberger aus Oberösterreich und Bereuter aus Vorarlberg) präsentierte dabei über zwei Dutzend Songs und Balladen, größtenteils von österreichischen Liedermachern verfasst, aber auch - dann mit verdeutschten, pardon: verösterreichischten Texten unterlegt - von internationalen Größen wie Eric Clapton und Prince. Es wurde dadurch zu einer abwechslungsreichen Achterbahn der musikalischen Genres, die den Besuchern im ausverkauften Altstadttheater geboten wurde. (Chef Johannes Langer musste sogar bis kurz vor Vorstellungsbeginn noch zusätzliche Stühle hereinschleppen!)

Vom Heurigen-Schmäh bis tiefst depressiv

„Austria 4+“ (das Pluszeichen stand offensichtlich für den musikalischen Leiter des Abends, den Augsburger Martin Schmid, damit einziger Nicht-Österreicher auf der Bühne) zeigte gekonnt so ziemlich alle Facetten des Austropops auf. Und noch wesentlich mehr: Viel schon oft Gehörtes war – erfreulicherweise – mit dabei, aber auch – und das ist nicht minder erfreulich – hierzulande nicht so sehr Bekanntes. Die Reise durch die musikalische Seele unseres Nachbarlands ging von a bisserl Heurigen-Schmäh-Seligkeit und anderem Heiterem („Strada del Sole“ von Rainhard Fendrich etwa und Georg Danzers Persiflage „Was macht a Nackarta im Hawelka“) über Wolfgang Ambros’ romantisches „Langsam wochs’ ma z’amm“, das liabe „Du entschuldige - i kenn’ di“ von Peter Cornelius und STS’s sentimentaler Aussteiger-Hymne „Irgendwann bleib i dann dort“ bis hin zu zutiefst Depressivem wie etwa den von Peter Reisser selbst verfassten Erinnerungen an „Die Novak Marie“. Und gerade diese Mixtur machte den besonderen Reiz dieses kurzweiligen Abends aus.

Letzter Song, letzte Zugabe dann „I am from Austria“ aus der Feder von Rainhard Fendrich. Schön, dass Reisser & Co. nicht dort geblieben sind, sondern hierhergekommen waren!

Peter Skodawessely-Neuburger Rundschau am
15.11.2011